In Nairobi vermittelt die SAD Mädchen und Jungen im Primarschulalter, wie sie sich und andere vor sexueller Gewalt schützen. Durch sport- und spielbasierten Unterricht lernen die Kinder, was ihre Rechte sind und welche Rolle Zivilcourage bei sexuellen Übergriffen spielt.

Gemeinsam mit ihren zwei Kindern läuft Joy zum Treffpunkt der Bewohnerinnen und Bewohner Kiberas, einem Slum im Südwesten Nairobis. Das offene Schotterfeld dient gleichzeitig auch als Sportfeld der Sadili Oval Sports Academy. Dort treffen sich die drei mit anderen Mädchen und Jungen. Zusammen mit einem spezialisierten Trainerteam lernen sie auf eine spielerische Weise, was sexuelle Gewalt und deren Folgen sind und wie sie sich und andere davor schützen können.

Ursachen und Folgen sexueller Gewalt gegen Kinder

Sexuelle Gewalt ist in Kenia weit verbreitet, vor allem in ärmeren Gebieten wie dem Kibera-Slum. Die Übergriffe geschehen insbesondere im häuslichen und schulischen Umfeld. Als Ursachen der sexuellen Gewalt gelten unter anderem der niedrige soziale Status, die vorherrschenden Geschlechterrollen, fehlende soziale Strukturen sowie unsichere Infrastruktur in den Schulen. Der Mangel an Präventionsmassnahmen gegen sexuelle Gewalt schliesst den Kreis, den das Projekt emPower my life! zu durchbrechen versucht.

Die sexuelle Gewalt belastet die betroffenen Mädchen und Jungen nicht nur psychisch, sondern führt oft zu einer HIV-Ansteckung und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Stigmatisierung, Schulabbrüche und das Abgleiten in Fremdbestimmung und Armut sind nur einige der Folgen. Sexuelle Gewalt an Schulen ist daher eine der grössten Barrieren, die Mädchen und Knaben in Kenia davon abhält, ihr Recht auf Gesundheit und Bildung wahrzunehmen.

Förderung von Wissen und Zivilcourage als Präventionsmittel

Durch das Projekt fördert die SAD gemeinsam mit dem lokalen Partner, der Sadili Oval Sports Academy, die Prävention von sexueller Gewalt im schulischen und ausserschulischen Kontext. Das sport- und spielbasierte Projekt dauert 16 Monate und richtet sich an sechs bis elf Jahre alte Mädchen und Jungen. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass sexuelle Gewalt bereits im frühen Kindesalter stattfindet. Durch massgeschneiderte Spiele, mit Tennis, Rugby und Basketball vermitteln die Lehrpersonen den Kindern Wissen zu sexueller Gewalt, HIV/AIDS und relevanten Gesundheitsthemen. Die Kinder setzen sich mit Geschlechternormen auseinander und erfahren, wie sie sich vor sexueller Gewalt schützen können und welche Rolle Zivilcourage dabei spielen kann. Sie wissen, um ihr Recht auf Gesundheit und Bildung Bescheid und lernen, dieses auch einzufordern.

Weiterführung des Projekts in Schulen

Um die Wirkung des Projekts und dessen Nachhaltigkeit zu gewährleisten, beziehen die SAD und ihre Partnerorganisation auch das familiäre Umfeld, Schulen und die Behörden mit ein. An Informationsveranstaltungen erwerben die Familienmitglieder Grundwissen zu sexueller Gewalt, schärfen ihr Bewusstsein der Thematik gegenüber und lernen, warum es den Kindern helfen kann, wenn die Eltern sie bei der Teilnahme des Projekts begleiten. Während des Projektes entwickelt die SAD gemeinsam mit den Lehrpersonen ein Curriculum mit sport- und spielbasierten Unterrichtsmethoden zum Thema sexueller Gewalt. Dieses unterstützt die Lehrpersonen dabei, auch nach Abschluss des Projekts Sensibilisierung und Wissensvermittlung zum Thema sexuelle Gewalt weiterzuführen. Ausserdem arbeiten die SAD und ihr Partner daran, sechs Schulen in Kibera sicherer zu gestalten.