MYANMAR GEHÖRT ZU DEN ÄRMSTEN LÄNDERN DER WELT. RUND DIE HÄLFTE DER BEVÖLKERUNG IST VON ARMUT BETROFFEN ODER AKUT DAVON GEFÄHRDET. IN EINIGEN LANDESTEILEN BIETEN WIRTSCHAFTLICHE UNSICHERHEIT UND INSTABILE POLITISCHE VERHÄLTNISSE NOCH IMMER DEN NÄHRBODEN FÜR GEWALT, MENSCHEN- UND DROGENHANDEL. INSBESONDERE JUNGEN MENSCHEN FEHLEN DARUM DIE PERSPEKTIVEN. SIE VERSTEHEN SICH SELBST ALS «VERLORENE GENERATION».

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1948 hat die Bevölkerung in Myanmar viel durchgemacht. Trotz Friedensabkommen herrschen in einigen Landesteilen noch bürgerkriegsähnliche Zustände und ethnische Spannungen. Diese schränken die ökonomische Entwicklung der überwiegend landwirtschaftlich geprägten Regionen ein. Möglichkeiten zur Berufsbildung fehlen und so müssen junge Menschen oft in andere Staaten reisen, um eine Ausbildung zu absolvieren. Genau dort setzt das Projekt der SAD an. Gemeinsam mit der Partnerorganisation vor Ort schafft sie konkrete Alternativen zu illegalen Geschäften. Das 2019 gestartete Projekt «Shan Youth YEEA(H) – Young entrepreneurs for ecological alternatives» setzt sich für eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Zukunft für Jugendliche im Norden der Staaten Shan und Kachin in Myanmar ein.

ZIEL: JUNGUNTERNEHMER*IN

Junge Menschen im Alter von 16-30 Jahren stehen im Zentrum des Projekts, welches eine gemeinsame Initiative der SAD und der lokalen Organisation Moving Forward Together ist. Rund 200 Jugendliche um die Jugendgruppe Saung Saee – in der lokalen Shan-Sprache das «Zusammenkmmen von zwei Flüssen» – profitieren von interaktiv vermittelten Unternehmens- und Agrartrainings. Dadurch erlangen sie die nötigen landwirtschaftlichen und unternehmerischen Fähigkeiten, um nachhaltig produzierte Landwirtschaftsprodukte weiterzuverarbeiten und schliesslich zu vermarkten. Ziel ist es, gemeinsam eine rentable Kooperative zu gründen. Das Training eröffnet ihnen konkrete Perspektiven fernab der Illegalität. Gleichzeitig findet durch die intensive Zusammenarbeit zwischen der SAD und der Partnerorganisation Moving Forward Together (MFT) sowie der Jugendgruppe Saung Saee ein Wissenstransfer statt, der die lokal ansässigen Organisationen stärkt und weit über das Projekt hinaus wirkt.

BEISPIEL: VON DER ORANGE ZUM ORANGENSAFT

Verschiedene Workshops und Exkursionen, aber auch Marktbesuche, Feldbesichtigungen mit Agrarexperten und -expertinnen sowie konkrete Fallbeispiele und Rollenspiele bilden die Basis der Ausbildung der angehenden Jungunternehmer*innen. Sie lernen auf interaktive und spielerische Weise die Grundsätze des Unternehmertums kennen: von theoretischen Konzepten, über Analyse, Finanzplanung, Risikoabwägung, bis hin zu der Bedeutung von Netzwerken und Wertschöpfungsketten. Ein Beispiel: Anhand von Orangen erarbeiten die Jugendlichen in einem Fallbeispiel, was sie alles beachten müssen, damit sie ihr Produkt vermarkten können. Aus einer Kiste Orangen werden so nach Analyse, Diskussionsrunden, Hygienemassnahmen, Designversuchen und Koordination etliche Flaschen Orangensaft.

POSITIVE ZWISCHENBILANZ

Nach über einem Jahr Projektlaufzeit und trotz COVID-19-bedingter Unterbrüche, ziehen wir eine positive Zwischenbilanz: Durch relevante und an den lokalen Kontext angepasste Ausbildung und Trainings konnten und sollen auch in Zukunft Jugendlichen neue Perspektiven eröffnet werden. Die illegalen Geschäfte rücken damit in weite Ferne. Denn dank dem unternehmerischen und agrarökologischen Basiswissen erkennen sie neue ökologische und ökonomische Chancen.