Während fünfeinhalb Jahren war Marc Probst das Gesicht der SAD. Mit viel Elan, unermüdlichem Einsatz und Leidenschaft hat er die Stiftung mit dem Sport und Spiel-Ansatz geführt und im Sektor Sport für Entwicklung noch stärker verankert. Nun zieht Marc weiter. Wohin, verrät er uns im Abschiedsinterview.

DU RÄUMST IN DIESEN TAGEN DEIN BÜRO, BIST DU DABEI AUF KURIOSITÄTEN AUS DEINER ZEIT IN BIEL/BIENNE GESTOSSEN?

Kuriositäten hat es einige gegeben. Es gibt ein historisches Büchlein zum Lindenhof – die Stadtvilla, in der wir unsere Büros haben. Eine erste Kuriosität ist nur schon die Geschichte des Hauses. Der Lindenhof wurde im 16. Jahrhundert als «Siechenhaus» genutzt. Es gibt Gerüchte, dass Geister aus der damaligen Zeit nach wie vor über das Haus wachen. Ist man zu später Stunde allein im Lindenhof, wird man durchaus auch Zeuge von «interessanten» Geräuschen. Wir haben in unseren Büros auch antike Gemälde und Möbel. Eines dieser Gemälde, ein Porträt eines Herrn, hängt in meinem Büro. Sein strenger Blick hat die letzten Jahre über mich gewacht. Auch hatte ich Besucher zu Gast, deren Verwandte noch im Lindenhof gewohnt haben. Es gibt Geschichten darüber, dass ehemalige BewohnerInnen nach ihrem Ableben in unserem Garten vergraben wurden. Dies nur einige «Müsterchen» an Kuriositäten.

MEHR ALS FÜNF JAHRE LANG HATTEST DU BEI DER SAD DIE ZÜGEL IN DER HAND, HAST GEWEIBEILT, NEUE PROJEKTE IN DIE WEGE GELEITET UND DIE FINANZIERUNG SICHERGESTELLT. WELCHES PROJEKT WIRD DIR IN ERINNERUNG BLEIBEN? WESHALB?

Dazu gäbe es viele Beispiele zu nennen. Wir haben das Gewand, also die Corporate Identity, der SAD überarbeitet. Dies ist ein sichtbares «Projekt», an dem ich nach wie vor Freude habe. Dann habe ich selbst unser Projekt in den Flüchtlingslagern in Norduganda verwaltet. Dieses Projekt hat seine Ursprünge in früherer Arbeit im Südsudan. Ich war selbst etliche Male vor Ort. Dabei habe ich natürlich nicht nur extrem traurige Zustände vor Ort gesehen, vor allem auch eine sehr enge Beziehung zu unserer Partnerorganisation aufgebaut. Dabei durfte ich nicht nur lernen wie professionell sie die Arbeit, mit doch recht bescheidenen Mitteln, umsetzen, aber auch wie konstruktiv sie versuchen, mit ihrer Situation umzugehen. Man muss bedenken, dass viele Mitarbeitende der Partnerorganisation, aber auch viele der Flüchtlinge, bereits zum zweiten oder dritten Mal fliehen mussten und alles verloren haben. Das ging mir menschlich nahe und insofern bin ich auch emotional mit diesen Menschen verbunden. Ich möchte auch noch den Onlinekurs «Sport for Sustainable Development: Designing Effective Policies and Programmes» erwähnen, den sportanddev, die Internationale Plattform für Sport und Entwicklung, welche von der SAD betrieben wird, zusammen mit dem Commonwealth Secretariat und der australischen Regierung erarbeitet hat. Dieser Kurs ist kostenlos zugänglich und bietet Interessierten erstmalig einen Einstiegskurs in die Thematik. Er hat auch geholfen, die Sichtbarkeit von sportanddev nochmals zu verstärken. Ich glaube fest an das Potential von Sport und Spiel. Dieser Onlinekurs ist eine Hilfe, den Ansatz zugänglicher zu machen und auch eine gewisse Professionalisierung sicherzustellen.

GAB ES AUCH HÜRDEN, WELCHE DU ÜBERWINDEN MUSSTEST?

Hürden gab es viele, aber ich sehe Hürden grundsätzlich als professionelle und teilweise auch als persönliche Wachstumsmöglichkeiten. Die SAD ist eine sehr kleine Organisation; international ist sie dank sportanddev bekannter als in der Schweiz. Die Steigerung der Visibilität ist nach wie vor eine Herausforderung. Dies ist auch an Kosten gebunden. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls die Mittelgenerierung zu erwähnen, welche aus meiner Sicht – gerade nun auch zu Zeiten von COVID-19 – tendenziell schwieriger geworden ist. Die SAD hat sich in internationalen Netzwerken sehr gut positioniert – beispielsweise in entsprechenden Netzwerken der UNESCO – aber auch in solchen multilateralen Gremien ist es herausfordernd als kleine Organisation gehört zu werden. Ich würde behaupten, dass wir uns durch diese Herausforderungen professionalisiert haben. Wir haben sehr solide konzeptionelle Grundlagen weiter- und neuentwickelt, wir haben uns intern umstrukturiert – diese Prozesse waren manchmal Hürden an sich, aber im Grossen und Ganzen haben wir dies sehr gut gemeistert.

WAS IST DEINE SCHÖNSTE ERINNERUNG AUS DER ZEIT BEI DER SAD?

Das ist schwierig zu beantworten, einiges habe ich bereits angetönt. Für mich sind es daher eher die übergeordneten Entwicklungen, die mir in Erinnerungen bleiben werden, als nun einzelne Ereignisse. Es freut mich ungemein, dass die SAD trotz aller Herausforderung im internationalen Rahmen als Expertenorganisation wahrgenommen und gehört wird. Dies habe ich oftmals gespürt als Moderator oder Teilnehmer von Treffen, in Paneldiskussionen oder ähnlichem. Es wird mir auch in sehr positiver Erinnerung bleiben, wie wir uns als Organisation und als Team entwickelt haben. Ich verlasse ein überaus engagiertes Team, das motiviert, offen und neugierig ist – und im Endeffekt entscheidet solch ein Team über den Erfolg oder Misserfolg einer Organisation.

EIN BLICK NACH VORNE: WOHIN FÜHRT DICH DEIN WEG NUN?

Einerseits möchte ich die nächsten sechs Monate etwas ruhiger angehen, andererseits möchte ich neue Dinge ausprobieren. Was mich schon immer gereizt hat, ist das Unterrichten und Dozieren. Ich werden auch tatsächlich an zwei Tagen an einer Sonderschule unterrichten; ich habe ebenfalls einige kleinere Dozenten- und Mandatsaufträge. Die restlichen 50% sind im Moment noch offen. Grundsätzlich würde ich gerne im Sport und Entwicklungsbereich respektive in der Internationalen Zusammenarbeit verankert bleiben. Ob mir dies gelingt – sei es durch Mandate oder eine Teilzeitanstellung – ist noch offen.
An dieser Stelle möchte ich mich gerne beim SAD-Team, beim SAD-Stiftungsrat, beim sportanddev-Steering Board sowie bei allen Partnern und Menschen bedanken, die ich in den letzten fast sechs Jahren durch meine Arbeit treffen durfte. Ich darf mit einem lachenden wie auch mit einem weinenden Auge gehen, was doch ein gutes Zeichen ist. Herzlichen Dank und alles Gute!

Das Team und der Stiftungsrat danken dir herzlich für dein Engagement und deine wertvolle Arbeit bei der SAD und die gute Zusammenarbeit! Wir wünschen dir viel Erfolg auf all deinen Wegen.