City Mission ist eine Nonprofit-Organisation in Port Moresby, der Hauptstadt von Papua-Neuguinea. Gemeinsam mit der SAD bietet sie Jugendlichen durch Berufsbildung und unternehmerische Grundbildung neue Zukunftsperspektiven. Im Interview mit der Projektmitarbeiterin Giovanna Del Drago erzählt Peter Moody, Farm Manager in Port Moresby, was er seit dem Beginn des Projekts bewirken konnte.

Im pazifischen Inselstaat sind fast 20 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 24 Jahre alt. Mehr als 80 000 junge Menschen treten jedes Jahr in den Arbeitsmarkt ein – oft ohne Ausbildung und Arbeitserfahrung. Sie haben kaum Chancen auf einen festen Job. Die Folgen sind ein stetiger Überlebenskampf und Armut: ein Nährboden für Drogenmissbrauch, Kriminalität und Gewalt.

Der Lehrgang «Standing on My Own Feet» der SAD und City Mission richtet sich an Jugendliche aus besonders schwierigen Verhältnissen. Während des Programms erwerben sie eine Reihe von Fähigkeiten, welche ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert – sei es als Elektriker, Schreiner oder Kfz-Mechaniker. Sie erhalten auch spezifisches unternehmerisches Wissen. Dadurch erhöhen sie ihre Chancen, einen anständigen Job zu finden oder ein eigenes kleines Unternehmen zu gründen. Die Kurse sind praxisorientiert und offen für junge Menschen ohne Schulabschluss.

GIOVANNA DEL DRAGO: WANN HAST DU ANGEFANGEN, BEI CITY MISSION ZU ARBEITEN?

Peter Moody: Ich habe hier im März 2016 angefangen zu arbeiten und auf ein Hilfeersuchen über einen Freund reagiert. 

WIE IST ES, DER FARM MANAGER ZU SEIN? WIE SIEHT DEIN JOB IM ALLTAG AUS?

Beschäftigt (lacht). Es gibt viele verschiedene Bereiche, die es zu verwalten und im Auge zu behalten gilt. Es ist immer so viel los: Bauprojekte auf dem Bauernhof, Alphabetisierungsprogramme, die sich entwickeln, die Grundschule wächst. Wir hoffen jetzt, den Malolo-Printshop (Anm. d. Red.: Malolo-Print ist eine Technik, mit der man auf T-Shirts druckt) wieder zu eröffnen. Es gilt die Landwirtschaft und das Vieh zu betreuen, aber auch die Berufsausbildungswerkstatt. Wir entwickeln und wachsen ständig weiter und meine Aufgabe ist es, all dies zu überwachen.

WIE VIELE MITARBEITENDE HAST DU UNTER DEINER AUFSICHT?

Ich führe insgesamt 35 Mitarbeitende in allen Bereichen unseres Betriebs. Dazu gehören Berufsausbildner*innen, Alphabetisierungslehrer*innen, Landwirtschafts- und Viehbetreuer, Coffee-Shop- und Betriebsmeister, Fallarbeitende, Grundschullehrerinnen und Verwaltungspersonal.

UND WIE VIELE MENSCHEN LEBEN AUF DER FARM?

Wir haben 164 männliche Auszubildende, zusätzlich das Personal und ihre Familien, also insgesamt 250 Personen welche permanent hier leben, hinzukommen alle Tiere. Tagsüber kommen 180 Kinder aus verschiedenen Gemeinden der Region, die die Grundschule besuchen, hinzu.

INWIEFERN IST DIE BERUFSAUSBILDUNG FÜR DIE JUNGEN MÄNNER NACH ABSCHLUSS DES PROGRAMMS «NEW LIFE SKILLS TRAINING CENTRE» VON VORTEIL?

Aufgrund der rasanten Wachstumsrate von Port Moresby City ist die Nachfrage nach Berufsausbildung gross. Der Einbezug der Ausbildung vermittelt ihnen grundlegende Fähigkeiten und Kenntnisse und bereitet sie auf den Einstieg in die Baubranche vor oder gibt ihnen zumindest den Überblick darüber, was es effektiv braucht. Es ergänzt das NLSTC-Programm und vermittelt ihnen Fähigkeiten für eine mögliche Beschäftigung und unterstützt so die jungen Männer bei ihrer Rehabilitation. 

IM RAHMEN DES PROJEKTS «STANDING ON MY OWN FEET» WURDE EINE NEUE BERUFSBILDUNGSWERKSTATT GEBAUT. WIE KONNTE DIESER NEUBAU EINE VERBESSERUNG DES VON IHNEN HIER ANGEBOTENEN TRAININGSPROGRAMMS BEWIRKEN?

Die neue Werkstatt ist der Höhepunkt unseres aktuellen Berufsbildungsprogramms, da er uns genügend Raum für die Organisation unserer Programme und unseres Betriebs gibt. Dank der Werkstatt konnten wir neue Prozesse bei der Verwendung von Werkzeugen und der Lagerung von Materialien, mit dem Lagerraum und dem An- und Abmeldeprozess einführen, wir konnten die Pflege und Wartung der Werkstatt verbessern, die sich an den allgemeinen Praktiken der Unternehmen orientiert. Kurz: mehr Arbeitsfläche, komfortablere Arbeitsumgebung. Ingesamt ist es heller und luftiger. Und die Bereitstellung neuer Geräte ermöglicht es uns, unsere Produktion zu steigern und eine breitere Schulung über den Einsatz von Werkzeugen und Anlagenprozessen durchzuführen. 

WAS IST MIT DEN LEHRPLÄNEN, WELCHE DIE SAD GEMEINSAM MIT CITY MISSION ENTWICKELT HAT?

Die Lehrpläne sind fantastisch. Sie geben den Mitarbeitenden eine Grundlage für ihren Unterricht, die sie noch nie zuvor hatten, es sie auch in ihren Lehrmethoden herausgefordert und letztlich darin beeinflusst, wie sie ihre Ausbildung durchführen.

DU HAST PERSÖNLICH AN DER ENTWICKLUNG DIESER CURRICULA GEARBEITET. WIE BIST DU VORGEGANGEN?

Da wir bei Null angefangen haben, konnten wir uns einerseits auf nationale Lehrpläne stützen, andererseits mussten wir uns bewusst sein, was City Mission leisten kann. Wir konnten sicherstellen, dass dies mit unseren Fähigkeiten und den Fähigkeiten der Jugendlichen übereinstimmt. Es ist entscheidend, diese Lehrpläne zu haben. 

WAS HÄLTST DU VOM SPORT UND SPIEL-ANSATZ DER SAD WAS DIE UNTERRICHTSMETHODIK ANGEHT?

Diese Art des interaktiven Unterrichts eröffnet den Mitarbeitenden neue Ideen, gibt ihnen neue Möglichkeiten, die sie bisher vielleicht nicht hatten oder in Betracht gezogen haben. Und je nach Interesse und Motivation können sie neue Lehrmethoden entwickeln, die besser passen. Es öffnete ihnen die Augen für verschiedene Formen des Unterrichts, die hier in Papua-Neuguinea eher ungewöhnlich sind, würde ich sagen. 

DAS PROJEKT IN PAPUA-NEUGUINEA BASIERT AUF ZWEI PFEILERN: DER BERUFLICHEN BILDUNG IN DER WERKSTATT UND DER UNTERNEHMERISCHEN AUSBILDUNG. DAS ENTREPRENEURSHIP-TRAINING LÄUFT NUN SEIT EINEM JAHR. PETER, WIE UNTERSTÜTZT DIESER ZUSATZKURS DIE JUNGEN MÄNNER UND WIE PASST ER ZUM BESTEHENDEN PROGRAMM?

Es war eine völlig neue Idee für uns. Und es hat eine Weile gedauert, um zu starten. Es wird immer noch etwas Zeit brauchen um sich weiterzuentwickeln, aber ich denke, es ist sehr wertvoll für die Auszubildenden, insbesondere für diejenigen, die über ein gewisses Bildungsniveau verfügen. Es öffnet neue Türen und Möglichkeiten für einige von ihnen, die sie vorher nicht hatten und es befähigt die Auszubildenden, von Anfang an an ihren eigenen Ideen zu arbeiten und öffnet ihnen so die Augen für ihr eigenes Potenzial. Die Tatsache, dass sie einen Businessplan von A bis Z entwickeln und herausfinden können, wie ihre Idee profitabel sein kann, ist wahrscheinlich etwas, das sie vorher nie in Betracht gezogen hätten. Letztlich lässt es sie ihr eigenes Potenzial erkennen. 

DANKE SEHR FÜR DAS INTERVIEW, PETER.