Krisen zeigen uns, wie verletzlich wir sind. So auch in der aktuellen Corona-Krise. Routinen werden durchbrochen und Freiheiten werden eingeschränkt um Leben zu retten. Alltagsstrukturen fallen ganz weg oder ändern sich merklich. Und spätestens jetzt wird uns bewusst: Wir haben viel weniger unter Kontrolle als wir uns wünschen. Blicken wir nach vorne: Was können wir aus der Krise für die Zeit danach lernen? und welche Rolle wird Sport und Spiel im Post-Corona-Zeitalter spielen?

Naturgemäss fokussieren wir in Phasen wie dieser unsere gesamte Aufmerksamkeit auf die Bedrohung, was diese um einiges schlimmer und angsteinflössender erscheinen lässt, als dass sie möglicherweise ist. Und doch löst der Gedanke an die eigene Verwundbarkeit und die Gefährdung der eigenen Familie Stress, Angstzustände und zuweilen Panik aus. Können wir dem etwas Positives abgewinnen? Durchaus, denn der Mensch ist krisenresistent. Wir besitzen Ressourcen, um mit solch aussergewöhnlichen Umständen umgehen zu können und uns neuen Umständen anzupassen. Im besten Fall merken wir in Krisen, wie resilient wir sind. Resilienz beschreibt die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Wie lange dieser Anpassungsprozess allerdings dauert, variiert von Mensch zu Mensch und bei einigen setzt er gar nicht erst ein.

PSYCHOSOZIALE GESUNDHEIT ALS ERNSTZUNEHMENDER FAKTOR

Es sind auch solche Krisensituationen, in denen wir uns vielleicht wünschten, bereits präventiv mehr für unser mentales Wohlbefinden getan zu haben. Die Umsetzung von psychosozialen Programmen wurde bis anhin von vielen Akteuren in der internationalen Zusammenarbeit oftmals unterbewertet, als nicht messbar oder gar unwichtig eingestuft. So bleibt zu hoffen, dass die Thematik der psychosozialen Gesundheit im internationalen Kontext, wie auch in anderen Lebens- und Arbeitsfeldern, zukünftig ernster genommen wird. Das Erlernen von Strategien zur Bewahrung der psychosozialen Balance, der Resilienz, ist relativ einfach. Ihr Nutzen zeigt sich spürbar in der Bewältigung des Alltags, aber vor allem auch in Krisensituationen, in denen sie gar überlebenswichtig ist.

FÖRDERUNG VON RESILIENZ DURCH SPORT UND SPIEL

COVID-19 hat die psychosoziale Gesundheit vieler Menschen negativ beeinflusst. Diese sollten in der Wiedergewinnung der geistigen Gesundheit unterstützt werden. Ein universell anwendbares Instrument zur Förderung der psychosozialen Gesundheit ist das Konzept von Sport und Spiel, welches die Swiss Academy for Development (SAD) in Pionierarbeit mit erarbeitet hat und nach wie vor in ihrer Arbeit anwendet. Der Ansatz geht von der Annahme aus, dass der Mensch ein spielendes Wesen und bereit ist, über Sport und Spiel zu lernen. Dabei handelt es sich in erster Linie um erfahrungsbasiertes, handelndes Lernen, welches nachweislich zu Veränderungen in der Kognition und dem Verhalten führt. Seit rund 10 Jahren setzt die SAD Sport und Spiel zur Förderung von psychosozialer Gesundheit ein. Dabei lernen und üben Teilnehmende erfahrungsbasiert über sport- und spielbasierte Übungen Lebenskompetenzen, die mit psychosozialer Gesundheit respektive Resilienz verwandt sind. Sie erfahren eine Übung; es wird darüber in der Gruppe reflektiert. Anschliessend bauen die Teilnehmenden Brücken zu ihrem Leben und versuchen, die gelernte Kompetenz in ihrem Alltag anzuwenden. Doch auch wir profitieren von diesem Austausch, denn viele der Teilnehmenden sind krisenerprobt und können ihre wertvolle Erfahrung im Umgang mit Resilienz einbringen.

SPORT UND SPIEL ERFOLGREICH EINSETZEN TROTZ DISTANZ

Im Rahmen von Corona-Diskussionen hört man immer mal wieder das Argument, dass Sport oder Spiel nur schlecht geeignet sind, da körperliche Nähe als Voraussetzung betrachtet wird. In unserer Erfahrung trifft dies allerdings nur bedingt zu. Sport und Spiel kann während, wie auch nach der Corona-Krise, ein Katalysator sein um psychosoziale Gesundheit zu fördern. Ein zentrales Merkmal ist nicht zwingend die Sport- respektive Spielart oder die körperliche Nähe, sondern die Haltung und Methode, mit der Sport und Spiel angewandt wird. Mit einem klaren Ziel vor Augen, in diesem Falle die psychosoziale Gesundheit und einem strukturierten Einsatz von Sport und Spiel, so unsere jahrelange Felderfahrung, eignet sich der Ansatz hervorragend für die Förderung von psychosozialer Gesundheit respektive die Bewältigung von psychosozialen Problemen.

WIE REAGIEREN ORGANISATIONEN AUS DEM BEREICH SPORT FÜR ENTWICKLUNG AUF DIE KRISE?

Nun stellt sich natürlich auch die Frage, wie andere Organisation im Bereich Sport für Entwicklung mit der Corona-Situation umgehen. Die Internationale Plattform für Sport und Entwicklung, sportanddev.org, welche von der SAD betrieben wird, informiert regelmässig auf ihrer Webseite darüber.